Posts mit dem Label US Election 2008 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label US Election 2008 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 5. Juli 2010

Mayflowers. Moonlandings. & Battered Souls.

The Colbert ReportMon - Thurs 11:30pm / 10:30c
Paul Simon Pt. 2
www.colbertnation.com
Colbert Report Full EpisodesPolitical HumorFox News


Ich liebe dieses Lied. Ich hörte es vor fast zwei Jahren, in genau dieser Aufnahme und jener Sendung im Herbst 2008 zum ersten Mal als die Wirtschaft in neue Rekordtiefen fiel, viele Amerikaner -und was solls, Leute auf der ganzen Welt- arbeitslos wurden und der Präsidentschaftswahlkampf in den USA auf ein unbekanntes dramatisches Ende zulief.

Die von J.S. Bach inspirierte Melodie*. Der Amerika auf den Punkt bringende Text. All die Zustände des amerikanischen Traums, der in lebendigen Bildern vor uns abgespielt wird: Die fast schon mythologische Entdeckung neuer Welten, die innere Leere ausgebrannter Rädchen im Getriebe, moralisches Versagen im Großen wie im Kleinen und die irgendwie resignierende, vielleicht auch hoffnungsvolle Aussicht darauf, dass alles gut wird.

Der Trick an der ganzen Amerikasache ist wahrscheinlich, dass sich auch in Songs wie diesem jeder wieder finden kann. Oder will. Wieso sollte man nicht die Mondlandung und Entdeckung Amerikas irgendwie auf sich selbst beziehen...

Bevor es zu peinlich wird will ich nochmal auf Andy Whitman verweisen, dessen Worte aus einer Kolumne zu Paul Simons vielleicht großartigstem Lied, besser als ich etwas von der Größe und Schönheit dieses Songs erzählen können:



>>We cross the oceans and send rockets hurtling to the moon, planting our flag on whatever scrap of rock we can find, claiming the land and its allegiance as our own. But it is not our own. We are misfits and strangers here, still apt to be blown away by winds or bullets, always voyaging, never able to escape from ourselves or the inevitability of our demise. And there are days when it appears we have learned nothing, least of all how to love. Just turn on the news. Or take a look at my heart. I think of the words I have spattered this year like bullets, fired willy-nilly out of anger, arrogance, stupidity, even naivete, always amazed that the gun goes off when I pull the trigger, always slightly stunned when that smell in the air turns out to be gunpowder and not the sweet perfume of the roses I scatter in my mind. It is the shock of recognition, the one clear moment that comes only when all the distractions and entertainments have faded, when there are no more excuses, when the mirror reflects back our true image. What can you do? In my case, you pray. And you play the single greatest song of a singularly great American songwriter. You shut up and listen. Some nights that’s the best thing you can do.<<
Das ist ein Auszug aus Whitmans Kolumne und Blogeintrag von 2005, den man unbedingt in voller Länge lesen sollte.



* http://andywhitman.blogspot.com/2005/09/paul-simon-pondering-american-tune.html

Mittwoch, 21. Januar 2009

My heart is gonna burst because it's so full of rainbows!

Ok. Tun wir einfach mal so als ob nicht bereits schon 50% dieses Blogs aus Daily Show/Colbert Report Video-Ausschnitten bestünden.

Stephen Colbert, Ex-Korrespondent in Jon Stewarts Daily Show und seit einigen Jahren Unterhalter in seiner eigenen Late-Night-Politsatireshow THE COLBERT REPORT, ist
eigentlich am besten in extremen emotionalen Situationen. Nicht umsonst betonte er in einer seiner ersten Sendungen, in Anspielung an die mit geringem Intellekt und hoher Kapazität an Wut agierenden fundamentalistischen amerikanischen Mediendemagogen wie Rush Limbaugh, dass seine Gedanken aus seinem Magen ("straight from the gut") kommen. Wut, Jubel, Traurigkeit, Verzweiflung. Eigentlich ist Colbert so eine Art Tinkerbell und kennt nur emotionale Extrema. Ich glaube wenn einem die Umstände des amerikanischen Fernsehens nicht sonderlich bekannt sind, ist es eher schwierig die Figur, die Stephen Colbert und seine Autoren, kriert haben, zu verstehen. Vielleicht kann einem dabei dieses Interview helfen

Was er gestern abgezogen hat war auf alle Fälle ganz nach meinem Geschmack.






Reverend Joseph Lowery

Ich kann einfach nicht glauben, dass ich den besten Teil der Vereidigung verpasst habe. Danke für deine erleuchtende Email, Marion!



Beziehungsweise habe ich an der falschen Stelle wieder die deutsche Übersetzung angestellt. (Danke für den Zweikanalton, ZDF) Großer Fehler. Ich dachte mir gleich, dass was nicht stimmte als der Simultanübersetzer unten stehenden genialen herrlichen Schlusssatz mit "und dass rot, gelb, braun, schwarz und weiß friedlich nebeneinander leben können" (ehrlich gesagt kann ich mich nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern aber es war auf alle Fälle so was in der Art.) übersetzte.


Lord, in the memory of all the saints who from their labors rest, and in the joy of a new beginning, we ask you to help us work for that day when black will not be asked to get in back, when brown can stick around, when yellow will be mellow, when the red man can get ahead, man; and when white will embrace what is right. That all those who do justice and love mercy say Amen. Say Amen.



A-fucking-men!




Bei GAWKER haben sie übrigens die ultimativen Top Ten der Vereidigungszeremonie zusammen gestellt. Von Dick Lebowski bis Bush Sr.'s lustiger Kopfbedeckung ist alles dabei. Wenn man sich also heute Nachmittag nicht die schwachsinnigen Kommentare von Tom Buhrow und seinem weiblichen Sidekick persönlich angetan hat fasst das perfekt die wichtigsten Szenen zusammen. Auch die Kommentare haben den gawker-üblichen Humor-Qualitätsstandard: "I ws hoping the cannon salute would be aimed at Bush's helicopter - and hilarity would ensue." ROFL.






[Reverend Joseph Lowery]

Dienstag, 20. Januar 2009

It will make sweet sweet love to the English language

Ich dachte mir, wenn das Fernsehlexikon nur noch Dschungelcampanalysen und Daily Show-Videos postet, dann kann ich das auch.




Und es war... gut.

Dienstag, 4. November 2008

multitasking

Anscheinend haben die öffentlich rechtlichen Sender alle Moderatoren und Anchormen, die gerade keine intime Spezialsendung aus Udo Lindenbergs Hotelzimmer moderieren oder für etwaige Katastrophen im Inland vor Ort bleiben, nach Amerika verschifft, wo sie sich vor irgendwelchen Touri-Kulisse mit amerikanisch deutscher Prominenz über die Finanzkrise, die mögliche Zukunft amerikanischer Politik und ihren potentiellen Auswirkungen auf Deutschland unterhalten.

Und der deutsche Brian Williams-Klon Claus Kleber bekommt seine eigene fünfstündige Wahlsendung auf dem ZDF-Dokukanal. Ich frage mich warum sowohl Kleber als auch Buhrow unbedingt persönlich in den USA sein müssen, wo sie wahlweise moderieren oder von den sportschaumoderierenden Kollegen des eigenen Senders ebenso wie irgendwelche mir unbekannten deutsch-amerikanischen Filmschauspieler interviewt werden. Fragen aus dem Internet könnte Kleber auch aus Deutschland beantworten.

Bei Maischberger unterhält man sich in illustrer Runde über Rassismus. Es zeigt sich, dass man sich in Deutschland mit der Komplexität des "schwarzen" Amerikas nicht so oft und ernsthaft auseinandersetzt. Cerue Diggs weist höflich darauf hin, dass man heutzutage doch eher den Ausdruck des "African American" benutzt.
Florian Henckel von Donnersmarck* redet ein bisschen komisches Zeug über richtig "Schwarze" und dass Obama keiner ist. Hinter seiner etwas plumpen Wortwahl verbirgt sich wohl die Wahrheit der integrativen Politik Obamas und seiner sehr speziellen und kulturell hybriden Sozialisation. Gerd Ruge erzählt davon heute "richtige Schwarze" in Harlem getroffen zu haben. Aha.

Ein paar Kilometer entfernt hatte Tim Robbins derweil wohl diverse Probleme in seinem Wahllokal.
Im deutschen Fernsehen erinnert die Präsentation der Hochrechnung ein bisschen an einene Grand-Prix-Abend.

Es lohnt sich auf jeden Fall bei NPR zuzuhören. Da wirkt die Stimmung (was wohl am Medium hängt) um einiges unaufgeregter, sachlicher aber auch irgendwie feierlicher als bei uns und die Korrespondenten scheinen alle irgendwie gut drauf zu sein an diesem historischen (ja, ich wollte es nur nochmal sagen, falls es noch niemand mitbekommen hat.) Tag. Außerdem ist es schön zwischendurch immer wieder ein bisschen schöner lustiger Instrumentalmusik zu lauschen.

Gestern hat Devin Faraci, berüchtiger Filmkritiker, -blogger, -kommentator -oder wie auch immer man seine Tätigkeit nennen mag- auf Chud.com, einen Artikel gepostet, der sehr schön ausdrückt auf was es vielen Amerikanern an diesem Tag ankommt. Hier einige, wie ich finde sehr bewegenden und aussagekräftigen Sätze aus seinem Artikel:
>>It's hard for me to concentrate on anything else. And it's not that I'm 'psyched' about the election. I'm terrified. I look at the polls and see that Obama looks to have this one in the bag, see that hope is just on the horizon. But I never discount the bad guys' abilities to fuck everything up. I feel like I'm at the end of a Friday the 13th movie, looking at the body of Jason Voorhees - you just know that motherfucker is about to spring up at any moment.<<
>>But I have to keep thinking positive. I'm not a completely naive fool - I don't expect flowers to start blooming as soon as the final electoral vote is in for Obama. But I'm seeing our last best hope. The next four years will be tough, no matter who is in office, and I think that the truth here is that Obama will be the guy who does the least damage and not necessarily fixes the most things. But there is one thing he'll fix, and that's us, as a nation. At least a little. The effect of having an inspirational leader cannot be underestimated, especially as we're moving into times where it seems more and more obvious that the American Century is over and that we're about to enter a period where we're not the biggest kids on the block anymore. These are the post-America days, and I want to have a president who makes me feel pro-American during them.

And its the last hope for the nation to show its true colors. I know that America has a lot of fucked up people with a lot of fucked up ideas, and that it has a lot of people who care about themselves and their taxes more than other people going bankrupt while trying to not die of cancer, but I also think that America is a nation that, at its heart, is progressive and optimistic. It's easy to scare people, which has been the case for the last eight years, but it's better to inspire them. And that's what Barack Obama has been doing and will, I hope, continue to do while in office.

There's a scene in Gus Van Sant's Milk that sums it all up. Harvey Milk keeps making goes at elected positions in San Francisco, and while he's built a potent political machine and keeps earning record numbers of votes, he can't win. After a debate with an opponent where he presses on gay safety issues, the opponent takes him aside. 'I know what you're against, Harvey,' he says. 'But what are you for? You have to give the people some hope.'

It's nice to feel hope. After eight dark, scary years, it's nice to again think about a future that could bring something brighter, a future that we can look forward to instead of cower from. Again, times are going to be tough all around, as our nation's predilections for the destructive, ignorant policies of Republicans have gotten us into a deep hole economically, politically and ecologically. But if America comes through for itself tomorrow, we can begin working our way out of that hole come January.

Let's have hope.<<
Im ZDF nutzen gerade einige amerikanischen under-age pro-Obama Hipsterkinder die Gunst der Stunde und betrinken sich auf Kosten des Gebührenzahlers. Auf NPR wird währenddessen die Stimmenauszählung, die sich beim ZDF zehn Minuten lang mit Applaus und dramatischen Pausen erstreckt innerhalb von zehn Sekunden abgewickelt und dann gleich mal zur interessanteren Analyse geschritten.

Wenn man aufgrund des vorrangeschritten Abends aus Versehen auf die Fernbedienung tritt landet man vielleicht auf Sat 1, wo ein junger ca 12-jähriger Stephen Colbert am Moderationstisch sitzt. Laut Videotext ist sein Name aber Alexander Privitera.







* http://www.youtube.com/watch?v=l75Rrs4776U