"Seelenvögel" von Thomas Riedelsheimer.
Ein Film, in dem es genau so um den Tod wie um das Leben geht. Die Bilder hinterlassen neben der Trauer um Menschen, die schmerzlich vermisst werden vor allem ein Gefühl tiefster Lebendigkeit. Neben Unverständnis, Zorn, Hilflosigkeit gegenüber und dem Kampf mit einer Krankheit wächst in diesem Film scheinbar automatisch die Akzeptanz des Todes.
Pauline, die Älteste der Protagonisten, die wir im Film kennen lernen schrieb folgendes Gedicht:
Lotusblüte
Wenn die Sonne so leise den Nebel durchbricht,
um feine goldene Schleier in das Heute zu malen,
sie zwart und klar anfängt zu strahlen,
dann wird es hell,
dann wird es licht.
Hauchzart streift sie der Lotusblüte kühles Kleid,
deren Antlitz strahlend, so ruhig, so befreit,
zart und rein
so liegt sie da,
Verwandlung und Hoffnung zeichnen sich klar.
Die Wahrheit, die der Tau ihrer Blätter spiegelt,
läßt uns denken so tief, so weit beflügelt.
Sie lässt uns den Moment entdecken,
holt uns aus dem Dunkel,
nur durch ein leises Wecken.
Liebe und Weisheit tragen wir im Herzen.
Doch gehen wir durch Leiden,
doch schreiten wir durch Schmerzen.
Blühend zeigt sich uns die Liebe, die uns umgibt,
die uns Glück und Vertrauen aus dem Dunkeln siebt.
Und strahlend liegt die Blüte hier.
Im Moment des Augenblicks
Falls jemand diese hoch interessante essayistisch* gestaltete Dokumentation, die gerade auf arte läuft verpasst hat. Am 14.1. wird der Film um 10.15 Uhr wiederholt. PLASTIK ÜBER ALLES breitet eine riesige, verstörende und interessante neue Welt vor einem aus. Der Regisseur Ian Connacher, der auch im Film selbst auftritt, trägt Informationen zusammen, die den Blick auf unsere Welt, unser Leben und die kleinsten Moleküle unseres Körpers verändern. Das sind ziemlich viele Informationen, die teilweise auch etwas ungeordnet, auf den Zuschauer einströmen, der (jedenfalls in meinem Fall) nicht viel Grundwissen zum Thema Plastik mitbringt. Der Film verschafft einen Überblick über das breite Spektrum des Themas und bietet vor allem einen Anreiz sich nach dem Abspann intensiver mit dem Thema zu befassen.
Besonders beeindruckend fand ich die Unternehmer und Wissenschaftler, die sich mit Plastik und der Frage wie man daraus etwas Neues erschaffen oder nachhaltigere Alternativen entwickeln kann, beschäftigen. Das führt vor allem dazu, dass der Film nicht in einer mahnenden und deprimierend Gestik verharrt, sondern durch das Beispiel von Menschen mit Verantwortungssinn und Pioniergeist Hoffnung auf eine bessere Zukunft macht.
Addicted to Plastic ist zu zerfahren und sprunghaft um wirklich als großartiger Film an sich gelten zu können. Trotzdem ist die Dokumentation durch ihre unterhaltsame und originelle Machart und vor allem den inspirierten Inhalt absolut sehenswert.
*Teilweise sind die Informationen so wirr verknüpft und zusammengeflochten wie hier in diesem Post.
Nur um mal das Gefühl zu bekommen heute etwas erledigt zu haben: Es folgt eine interessante Ansprache von Herrn Schneider zum Thema Punks.
Einen sehr überraschenden Einblick in die Punkkultur bietet übrigens die großartige Dokumentation PUNK IM DSCHUNGEL von Andreas Geiger. Der Film begleitet die sechsköpfige schwäbische Punkband CLUSTER BOMB UNIT bei ihrer Konzerttour durch Indonesien im Jahr 2006.
Wie einer der Bandmitglieder im Trailer erwähnt unterscheiden sich die Punkszenen in Indonesien sehr von dem deutschen Stereotyp des gelangweilten alkoholisierten "macht ihr, was ihr wollt, wir machen was wir wollen" Punks, den man in Frankfurt am Brockhausbrunnen antrifft. Die indonesischen Punks definieren sich natürlich auch über ihre Musik und ihren Klamotten- und Haarstil. Aber wo bei uns Anarchie und Abkapselung von der Gesellschaft den Grundethos der Punks ausmachen bilden die Punks in Indonesien eine Sub- und Gegenkultur die tatsächlich etwas in der Gesellschaft bewegen will.
Sie kämpfen gegen religiösen Fanatismus, Frauenfeindlichkeit, die Abhängigkeit von westlichen Industrieländern, und der in weiten Teilen Indonesiens akuten Mangel an persönlicher Freiheit. So sehen wir, wie ein im Keller stattfindendes Punkkonzert nur durch ein Ablenkungskonzert im Erdgeschoss geschützt, stattfinden kann. Punkkonzerte sind nämlich in einigen Teilen oder sogar in der ganzen Republik (ich kann mich nicht erinnern wo das Verbot gilt) verboten.
Punks vertreten und verbreiten das DoItYourself Prinzip zur Stärkung der Eigenverantwortung und initiieren Kampagnen zur Aufklärung der Bürger über wichtige Themen. Sie kochen für bedürftige Menschen und bilden eine Art caritative Subkultur junger Menschen, die friedlich und visionär eine bessere Zukunft anstrebt und "aus der Sklaverei" befreien will.
Dieser Kern der indonesischen Punkszene wird vor allem in diesem hübschen Tracks-Beitrag, gut vermittelt, der offensichtlich auf Material der Dokumentation basiert:
Was einen guten Dokumentarfilm auszeichnet ist, dass er uns zu Menschen und Orten führt, die jenseits unseres eigenen Horizonts liegen.
Dokumentarfilmer sind die Entdecker unserer Zeit und eröffnen uns Welten, von deren Existenz wir keinen blassen Schimmer haben. Genau das macht PUNK IM DSCHUNGEL. Und nebenbei bietet der Film einen abenteuerlicher Trip mit ein paar sympathisch merkwürdigen Schwaben an, die in Hubert von Goisern-Manier durch Indonesien reisen und mit uns Neues entdecken, sich inspirieren lassen und gelegentlich auch das ein oder andere Liedchen anstimmen.
Der, übrigens auch für den Grimmepreis nominierte Film ist glücklicherweise über Amazon als DVD erhältlich. Das DVD-Vinyl-Hörspielkassette-Biographie-CD-Paket (für schlappe 20 Mäuse) bietet für alle die -entgegen meinem Musikgeschmack- tatsächlich auf Rawpunk stehen auch noch eine ganze Menge puren CLUSTER BOMB UNIT- sound an.