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Donnerstag, 18. Oktober 2012

Ansehen: Looper


Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich LOOPER eigentlich im Original sehen wollte, extra beim Verleih nach sich in Deutschland im Umlauf befindenden Originalkopien fragte, die Antwort bekam, dass LOOPER nur auf deutsch zu sehen sei, ihn mir daraufhin auch auf deutsch ansah und einen Tag später zufällig auf Google darüber stolperte, dass der Film doch auch im Original anläuft:  Ich sah LOOPER, war fasziniert, wurde in die Welt des Films eingesaugt und der ein oder andere Gedanke hängt immer noch in meinem Kopf fest:

Die Filme von Rian Johnson (Brick, Brothers Bloom und jetzt: Looper) machen auf mich manchmal einen leicht angestrengten Eindruck.Vielleicht liegt es daran, dass fast jeder Plotpoint, jede Figur und deren Verhalten und Entscheidungen und jedes Setpiece eine Bedeutung hat, die fest in das Grundthema des Films eingeflochten ist. Bei "Brick" war es die von Machtkämpfen durchdrungene Neo-Noir-Betrugswelt von Jugendlichen, "Brothers Bloom" ist eine unterhaltsame Geschichte über zwei Betrüger, die sich nach einem authentischen Leben sehnen.

Die Geschichten von Johnson laufen meistens auf ihr perfekt kalkuliertes Ziel zu, vergeudet wird scheinbar gar nichts. Das ist ein wenig die Antithese zum anderen Genrekino, in dem lustige Dialoge, Charaktereigenschaften und Explosionen vollkommen sinnlos im Rahmen eines Filmes übereinanderfallen, ohne dass eine interessante Idee dahinter stünde. Nicht dass das immer der Fall sein muss. Und manchmal scheitert man beim Filmemachen vielleicht auch einfach an dem großen thematischen Konstrukt und den großen Fragen, die man bändigen wollte (Ursprung der Menschheit or bust?, ich denke in jüngster Vergangenheit vor allem an Prometheus.)




Aber auch Looper ist Genrekino. Und Johnson zeigt, was Filme, die in solche Schubladen gesteckt werden, so grandios, magisch und reizvoll machen kann. Sich leicht entrückter Welten, Phantasien und Überhöhungen zu bedienen ist seine Art, Geschichten über menschliche Grundkonstanten und -konflikte zu erzählen. Auch Looper ist in einer zeitlich und wissenschaftlich leicht verfremdeten Welt angesiedelt, deren Figuren uns jedoch relativ nahe sind. Auch wenn sie während des Films hier und da Mittel zum Zweck einer spannenden Geschichte zu werden scheinen flackern innere und zwischenmenschliche Konflikte immer wieder auf. Und Johnson hat scheinbar mit großer Sorgfalt versucht die Kompliziertheit der Welt, die er erschaffen hat und das Maß, in dem sie sich in seinem Film um sich selbst dreht, auf ein Minimum zu beschränken. (Zu Gunsten der Figuren) Es geht ihm (diesen Aspekt habe ich um ehrlich zu sein von Johnson selbst in einem Interview gehört bevor diese Absicht für mich allerdings im Film selbst auch sehr deutlich wurde) nicht im Kern um den technischen Spaß des Zeitreisens (Johnson erwähnt im Interview als Beispiel hierfür insbesondere den fabelhaft verblüffenden spanischen Film "Timecrimes"), sondern das, was mit diesem erzählerischen Trick über Menschen erzählt werden kann.*


Die Bedeutungen und das beinahe perfekt laufende Konstrukt, das sich vor uns entfaltet bedürfen allerdings nicht nur konzentrierten Sehens und sorgt für Gedanken darüber inwiefern Filmemachen angestrengt sein kann. Das ausgeklügelte System von Looper erschafft ein spannendes Bedeutungsuniversum, das einen unglaublichen Sog entfesselt. Ein Sog von Gedanken und Fragen über diese Welt und unsere.

[Ab hier wird es detailierter und es gibt Dinge, die man nicht unbedingt wissen sollte, bevor man sich den Film zum ersten Mal ansieht. In einem anderen Wort: S P O I L E R! Ich hoffe Joe kann meine Warnung unterstreichen ;-) ]



Während des Films fing ich -wenn es bei allen Informationen und bedeutsamen Kleinigkeiten überhaupt möglich war- kurz an zu überlegen: Um was geht es hier für Joe?. Was ist seine Erlösung? Fast alle Männer des Films werden nicht müde von der einen Sache zu sprechen, die ihnen gehört. Als ob es ihr natürliches Anrecht wäre diese Sache zu besitzen und nicht loslassen zu müssen. Wenn Bruce Willis' Joe "Joe Joe" klarmacht, um welche geliebte Entität es ihm geht, dachte ich für einen Moment "ja, klar!". Das ist es: Alter Mann kommt aus der Zukunft und erklärt seinem jungen Selbst mal etwas über Beziehungen, Liebe und Aufopferung für eine andere Person. Is doch total logisch! (Und befindet sich nebenbei bemerkt auch im Rahmen üblicher Erzählkonventionen und dessen, was man im Actionkino Kino sonst so gewohnt ist.) An dieser Stelle musste mein Gedankengang auch schon wieder abbrechen, weil der Film in so viele andere Richtungen zu gehen schien und gleichzeitig meine Aufmerksamkeit und Mitdenken erforderte.

Dass Joes fast schon instinktive affektartige Einsicht in der Schlüsselszene des Films das Sich-Verschenken in seiner extremsten Form ist, hat mich schockiert und gleichzeitig immens glücklich gemacht. Diese Liebesgeste funktioniert eigentlich vor allem weil Joe zwar eine Beziehung zu Cid und Sarah aufbaut, diese jedoch lediglich temporären Charakter besitzt. Lässt er jemanden im Stich? Nein. Im Gegenteil. Seine intuitive und doch höchst rationale Entscheidung ist ein Ausbruch aus einem zeitlichen Kreislauf, der Gewalt produziert und ein Geschenk des Lebens für Cid und natürlich für Sarah. Dieses Ziel auf das der Film doch irgendwie die ganzen Zeiten über zu läuft ist in seiner Menschlichkeit, Kompromisslosigkeit und ich würde sagen Unsentimentalität schlichtweg beeindruckend.


Etwas, woran ich gegen Ende ein wenig zweifelte war die übernatürliche Fähigkeit des Rainmakers. Man sieht in gegenwärtigen Filmen so häufig Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten, oder Leute, die Dinge durch die Luft fliegen lassen, dass es bei mir erst einmal reflexartiges Schulterzucken hervorruft. Been there, done that, irgendwie nicht so passend zum relativ originellen Rest des Films. Andererseits kann sich meinem Empfinden nach ein in ein ausgeklügeltes Zeitreisesystem eingebetteter Film wie Looper ohne Zweifel erlauben für ein mutmaßlich traumatisiertes Kind mit widerkehrenden Wutausbrüchen ein fantastisches Bild  beziehungsweise eine übernatürliche Fähigkeit, die Schwerkraft aufzuheben, zu finden, die gleichzeitig auch die Veranlagung, in Zukunft Macht und Gewalt über viele Menschen auszuüben erklärt. Wie die meisten Teile aus Johnsons Universum macht auch dieser bei näherem Hinsehen (in dieser Hinsicht: Die Szenen, in denen Cids Ausbrüche stattfinden oder sich anbahnen sind wirklich großartig, bildgewaltig whooaa!, in diesen Sekunden verschwanden meine Zweifel) und Nachdenken Sinn. Die Integration des ganzen Telekinese-als-Mutation-Plotpoint ist allerdings nicht so elegant integriert wie der die meisten anderen Plot-Helfershelfer des Films. 


Dass alle Schauspieler eigentlich ausnahmslos geile Tüten sind ist Fakt oder vermute ich (zur Erinnerung: ich sah nur die deutsche Version). Durch die Synchro hindurch scheint ohne jeden Zweifel die Wut und das Außer-sich-sein Pierce Gagnons (Cid) genau so wie seine kindliche Unschuld (die Mädels um mich herum brachen am Ende des Films immer wieder in herzzerreißende Aaaawws aus.) Joseph Gordon Levitts verboten langweilige Synchronstimme verlangt ebenso wie Baumarkt-Bruce, dass ich den Film als Nächstes mit den Stimmen der tatsächlichen Schauspieler sehe. Ansonsten kann sich Bruce (und Levitt) einfach sehr charismatisch mit Schusswaffen durch Raum (und Zeit) bewegen. Gleiches gilt für Emily Blunt, deren Rolle als starke, einsame Frau, die sich das nimmt, wonach sie sich sehnt, egal ob alleine auf ihrer Terasse sitzend oder nachts in ihrem Bett, ebenfalls facettenreich und interessant ist. Jeff Daniels... Jeff Daniels ist einfach der King, daran ändert auch seine von der Synchronmafia relativ gut ausgewählte Stimme nichts. Und Paul Dano als arroganter bis bemitleidenswerter Nervbold ist einfach perfekt.

Zu meiner großen Freude spielt auch wieder Johnsons Hat trick, der fabelhafte Noah Segan mit. Seine Rolle (Kid Blue; wenn ich das richtig verstanden habe ist das Segans tatsächlicher Spitzname, den er sich von einem Dennis Hopper-Western geklaut hat) ist eine der Wunderbarsten, Tragischsten und Lustigsten des Films. Noah Segan** mal als Dauergast einer tollen Serie oder in mehr großen oder großartigen Filmen zu sehen würde mich sehr glücklich machen! ;-)

Am Ende sieht es wohl auch in Sachen angestrengte Filme so aus, dass Johnsons Filme auf ihrem Weg in unsere Herzen und Seelen erst durch unsere Köpfe müssen. Und das ist vollkommen ok, weil ziemlich anregend. 



* Abgesehen davon bin ich auch überzeugt, dass auch Looper eine inherente Faszination am Anderen, Denkbaren -aber-nicht-Realen zugrunde liegt. Eine Szene, die mir zeigt wie meisterhaft Johnson mit den unterschiedlichen Genres und Regeln und Strukturen umgeht ist die, in der nach und nach die Gliedmaßen von Paul Danos älterem Selbst verschwinden. Diese Szene ist wirklich meisterhaft: Auf den ersten Blick handelt es sich um eine horrorartige, schockierende Szene, die wirklich wunderbar grausam ist. Gleichzeitig jedoch erfüllt sie jede Menge anderer Aufgaben: Sie führt uns die Gefahr für Looper vor Augen, die ihren Loop nicht schließen und etabliert die Konsequenz körperlicher Veränderungen bei den Loops. Nebenbei bemerkt fände ich es außerdem sehr sehr langweilig, wenn wir unsere Geschichten auf das beschränken würden, was real ist und nicht auf unsere Neugierde und Grenzen des Machbaren überschreitende Phantasie ausweiten würden. 
** Noah Segan spricht im Brick-Audiokommentar von Werner Herzog als der "Stimme Gottes", Hahaha. Richtig, mein Junge.



° Das Bild ganz oben stammt von Zach Johnson, bzw. dem offiziellen Looper-Tumblr. (zu empfehlen!)
° Filmcrithulk hat ein gefühltes Buch über seine Zeit mit dem Looper-Team auf der diesjährigen Comic Con geschrieben. Ich habe den Text noch nicht komplett gelesen (vielleicht das erste Drittel), was an der Tatsache liegen mag, das Hulk alle fünf Sätze zu einem Doktorarbeitsabstrakt über gesellschaftliche Grundfragen wie "Schauspieler in der Öffentlichkeit", "Filmmarketing im Jahr 2012", "Herrenbekleidung" oder einer Analyse von Rian Johnsons Breaking Bad-Episode "The Fly" ansetzt. Aber dafür lieben wir ihn ja auch. *seufz*
° Viele hochinteressante Fragen zum Film, die ich hier gar nicht angesprochen habe, kommen in Badass Digests Open Thread-Diskussion zur Sprache.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Kleinigkeiten #5

# Es ist an der Zeit sich in Listen einzutragen und etwas zu Ende zu bringen, das schon längst beendet sein sollte.

Procrastinatrix from Emily Herr on Vimeo.

# Lucy Knisley hat diesen Monat gleich mal drei neue Stop Paying Attention Comics  raus gehauen. Schön für uns. THE MAZE, über das freie beschreiten neuer und unerwarteter Lebenswege, gefällt mir eigentlich am besten. Allerdings finde ich alle drei Comics in ihrer Tendenz etwas verworren und es fehlt -vor allem in WEAKNESS FAIR- der deutliche Spannungsbogen, der ihre Comics zu so gut verpackten kleinen Geschichten macht.
Und dann hat Lucy noch eine kleine Songsammlung hochgeladen, die auch nicht gerade von schlechten Eltern ist. Irgendwo wird dann auch die Grenze zum Kreativneid überschritten. "^^"*


# Stillstand und das Gefühl dem eigenen Potential nicht nachzukommen gehören  zu den unangenehmsten Situationen. Mein Bruder zitiert in solchen Zusammenhängen immer wieder gerne Beppo Straßenkehrer, der während seines Studiums auf der Straßenkehrerakademie höchswahrscheinlich ein Auslandssemester bei Zen-Buddhisten verbracht hat und Momo sein Handwerk wie folgt erklärt:  " "Das ist wichtig…Schritt - Atemzug - Besenstrich. Schritt - Atemzug - Besenstrich…" 

In diesem Monat erscheint Joelles erstes (von ihr illustriertes) Buch bei Jacoby & Stuart und es ist ziemlich großartig zu sehen inwiefern einzelne entschlossene und manchmal auch kleine rückwärts gewandte Schritte, in die richtige Richtung führen. Vielleicht ist es auch inspirierend.
So wie diese kongeniale Video/Song Kollaboration von Andrea Dorfman und Tanya Davis:






# Mal zwei Sätze zum Dschungelcamp. Ich hab ungefähr drei Folgen gesehen. Unter anderem die, in der Sarah Dingens Peer von Jays angeblichem Vorschlag mit ihr eine Romanze zu spielen, erzählt und sich am Ende eine Konfrontation zwischen Sarah und dem Rest des Camps in der vermeintlich überraschenden Nachricht entläd, dass jemand das Camp freiwillig verlassen will. ! Man kann sagen was man will. Diese Folge war spannender und unterhaltsamer als 90% der deutschen Serien und Filme, die ich in den letzten fünf Jahren gesehen habe. Das ist traurig....

(...) Und während er sich die Hammerquoten und zahlreichen Medienberichte über den Erfolg dieser Dschungelcamp-Staffel durchlas konnte der Redakteur nicht aufhören darüber nachzudenken welche phantasielose Krimireihe er als nächstes entwickeln würde.

# Carlton Cuse schrieb für die NYT einen unspektakulären aber scheinbar ehrlichen Artikel über seine kreative Regeneration nach Lost und dem Weg zu seinem neuen Projekt.

# The People's Key, das neue Album von BRIGHT EYES kann jetzt noch bis 15. Februar in voller Länge auf npr angehört werden.

# Lucky McGee hat auf dem Sundance-Filmfestival seinen neuen Film THE WOMAN vorgestellt. Bei vielen Zuschauern führten die schonungslosen Darstellungen des Films wohl zu allerlei unvorhergesehenen körperlichen Reaktionen. Viele Menschen verließen die Vorführung und eine Frau verletzte sich leider beim fluchtartigen Verlassen des Saals am Kopf. Und dann gab es noch diesen skurrilen Konflikt mit einem Zuschauer, der seine Verachtung des Films (man solle ihn verbrennen oder so) und die Filmemacher am Ende lauthals im Saal verkündete. Ich würde den Film erstens gerne sehen und zweitens finde ich es schon irgendwie faszinierend, dass ein Film solche Reaktionen hervorrufen kann und Menschen tief verstört zurücklassen kann. Ich fand dieses Interview mit dem Regisseur Lucky McGee sehr interessant. Und Drew McWeenys Bericht von der Vorführung sollte man auch unbedingt gelesen haben.

# Ich mag es wenn ich in Interviews oder Artikeln über Filmemacher das Gefühl bekomme, dass mir eine Tor zu einer großen mir bisher unbekannten Welt an Wissen und Weisheit geöffnet wird. Das trifft insbesondere auf diesen New Yorker Artikel über Guillermo Del Toro zu. Geilster Scheiß.

# Rian Johnson dreht einen neuen Film. Das ist insofern interessant als dass ich seinen letzten, The Brothers Bloom, als wirklich genial empfand. Die Art und Weise wie Johnson in dieser Geschichte Spannung und Unterhaltung mit den Dilemmata seiner Hauptfiguren verknüpfte war wirklich virtuos und sehr unterhaltsam. Sein neuer Film trägt zur Zeit noch den Titel Looper. Anscheinend geht es um Zeitreisen(de). Die Bilder mit denen Johnson den Produktionsprozess dokumentiert sind auf jeden Fall sehr ansehnlich und interessant:  [http://loopermovie.tumblr.com/page/1]

# Ich weiß nicht wie die Menschen in 1000 Jahren die Entwicklung von tumblr beurteilen werden. Ich hab ehrlich gesagt noch nicht 100%ig verstanden was einen tumblr von einem stinknormalen Blog unterscheidet. Aber wen kümmert das. In Ägypten gehen gerade Menschen für ihre politischen Grundrechte auf die Straße. Und irgendwo in den USA oder Großbrittannien montiert ein 17-jähriger in Photoshop Tom Hanks Köpfe auf Tierkörper. Und es ist großartig! Noch besser: fuckyeahdirectors, ähh...guilty pleasure?: fuckyeahjameswilson, und, tja, der Titel spricht für sich würde ich sagen:  whatwouldwillowear .


# MOMENT!  Ich wusste ja, dass ich was vergessen habe: Dat is der beste tumblr überhaupt: http://hotguysreadingbooks.tumblr.com/ :-D





# Meine absolute Lieblingsseite ist übrigens auch 'n tumblr, aber nicht von der Sorte Photoshopwahllosigkeiten sondern einfach eine schlichte Quelle von Großartigkeiten, Kuriositäten, Schönem, Wahren und Guten und Inspiration: http://meansofdistraction.com/






* Ich muss gestehen, dass, wenn ich diese ^^ Zeichen sehe, ich dem Verfasser in 99% der Fälle gerne frontal ins Gesicht schlagen würde. Aber natürlich nur ironisch.