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Donnerstag, 26. Juli 2012

Ansehen: Young Adult



Vor einiger Zeit postete ich den Trailer zu "Young Adult" mit unverhohlener Vorfreude. Einige Wochen später stellte ich glücklich fest, dass es sich tatsächlich um einen grandiosen und sehenswerten Film handelte. "Young Adult" ist kein bahnbrechendes Meisterwerk aber ein präzise erzählte Geschichte über eine junge Frau, die aus einer Befindlichkeit heraus, die irgendwo zwischen psychischer Störung und gescheitertem Erwachsenwerden angesiedelt ist, rücksichtslos und narzistisch versucht die Sehnsüchte ihrer Jugend zu stillen.

Ich weiß nicht ob ich überhaupt schonmal im Kino eine Protagonistin erlebt habe, die so unsympathisch war wie Mavis Gary (Charlize Theron). Trotz dem befremdlichen Verhalten ihrer Hauptfigur finden Jason Reitman in seiner Inszenierung und Diablo Cody in ihrem Buch (dies ist die zweite Zusammenarbeit dieser Art von Reitman und Cody nach Juno) jedoch in der richtigen Mischung aus Tragik und Komik das Mitgefühl und die Menschlichkeit, die die Geschichte über Marvis' Scheitern zu einer unterhaltsamen und tiefen Erfahrung für den Zuschauer werden lassen.

Dabei hilft auch die Zusammenführung von Mavis mit dem einstigen Außenseiter (während Mavis zu den populären Sternchen in der High School zählte, ein Status, von dem sie sich nur schwer trennen konnte) und von einem Unfall in seiner Schulzeit schwer gezeichneten Matt (Patton Oswalt). Matt lebt auf seine Weise nostalgische Geborgenheits-Sehnsüchte aus und wird gleichzeitig durch ein körperliches Leiden tagtäglich an seine schwierige Kindheit erinnert. Die Zweisamkeit von Mavis und Matt ist das Herz des Films. Durch Matt dringen wir tiefer in die Wirrheit und Schwäche von Mavis Innerem vor, was Mavis' Figur ambivalenter und interessanter werden lässt.(Hab ich erwähnt wie gut Charlize Theron und Patton Oswalt sind? Der absolute Kracher.)

Während "Ziemlich Beste Freunde" die "Arthouse-Charts" (nicht fragen!) dominierte, gurkte "Young Adult" für schockierend kurze Zeit unter ferner Liefen irgendwo in der Top-Ten Peripherie herum. Eine traurige Tatsache. Insbesondere weil ich mir vorstellen kann, dass viele Leute in meinem Alter oder sonstigen Altersklassen viel Gefallen an diesem ganz wunderbaren kleinen Film finden könnten. Denn letztlich birgt Mavis trotz ihres extrem psychotischen Verhaltens auch die ein oder andere Wahrheit über uns selbst in sich, was vielleicht die wahre transzendente Kraft des Films ausmacht.

Mit "kleinem Film" meine ich, dass die Geschichte trotz explosiver Szenen, phantastischen Darstellungen, natürlicher Komik und berührenden Tragik eventuell den Anschein erwecken könnte unspektakuläres "Autorenkino" (schonmal der Definition nach ist es nicht wirklich Autorenkino aber diese Begriffe sind heutzutage ja sowieso alle sehr schwammig.) zu sein. Dabei ist das Spektakuläre an "Young Adult" gerade die Präzision der Charaktere, Dialoge, der Geschichte und die Nahtlosigkeit, mit der Jason Reitman sie dem Zuschauer ans Herz legt. All das ist nicht nur eine Freude anzuschauen sondern eben auch super schwer zu kreieren, wie man an zahllosen deutschen und internationalen Filmen sieht, die an dieser Mischung aus "was zu sagen zu haben" und Unterhaltung ständig scheitern. 

Und wenn das alles nichts hilft: Ja, Matt Freehauf bzw. Patton Oswalt IST Neill Cumpston, der enthusiastischste und vulgärste Filmkritiker des Universums Spence aus "King of Queens"*. Und er ist fabelhaft in diesem Film.

Ab heute ist die DVD käuflich zu erwerben oder auszuleihen.  Irgendetwas davon empfehle ich wärmstens. Wenn der Film aufgrund mangelnden Buzzes schon in den Kinos unentdeckt blieb sollte er wenigstens jetzt die Beachtung finden, die er verdient!


*Und außerdem ein hervorragender Comedian.


Zu Reitman: Mir persönlich gefiel "Young Adult" auch irgendwie besser als "Up In The Air", dem letzten Reitman-Film (den ich auch nicht schlecht fand). Irgendwie schien mir hier alles eine größere Dringlichkeit und Fallhöhe zu haben und Therons Figur ist letztlich um Einiges interessanter und zugespitzter als Clooneys dahin-meandernder einsamer Wolf. Aber was für Reitman interessant ist, ist die Tatsache, dass er sich in dem Film vollkommen diszipiniert in den Dienst einer grandiosen Geschichte stellt ohne viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Donnerstag, 3. November 2011

Psychotic Prom-Queen Bitch



Ich liebe Filme über ganz furchtbare und irgendwie bemitleidenswerte Menschen. (Sind wir nicht alle irgendwie furchtbar und bemitleidenswert?)

Samstag, 7. November 2009

Kleinigkeiten #2

#Da wird mir ganz ganz warm ums Herz. Ehrlich:
Tarantino stellt in diesem Video "There Will Be Blood" vor aber eigentlich erzählt er von seiner Freundschaft zu Regiekollegen Paul Thomas Anderson (There Will Be Blood, Punchdrunk Love, Magnolia, Boogie Nights, Hard Eight/Sydney):




#Spielberg und Lucas. Cuaron, Inarritu und Del Toro. Es gibt unglaublich viele dieser Regieblutsbrüderschaften. Eine in der jüngsten Generation von Filmemachern ist die Freundschaft von Jason Reitman (Juno, Thank You For Smoking) und Edgar Wright (Shaun Of The Dead, Hot Fuzz, Scott Pilgrim), die sich lustigerweise auch noch verdammt ähnlich sehen.
Jason Reitman hat vor kurzem 30 Minuten von "Scott Pilgrim" gesehen, über den ich hier schon ein paar Mal was geschrieben habe, und auf Twitter ein paar Lobeshymnen über das immer noch unfertige Werk seines Freundes angestimmt.

"In London, @edgarwright showed me 30min of Scott Pilgrim. While sworn to secrecy (so much, surprised blood wasn't demanded) I will say this: It is a game changer for Edgar and the genre. It moves the speed of light and carries more unadulterated joy than Ive seen in recent cinema. I'm in awe of the sheer control in the filmmaking. It feels like a "Matrix" for love and how willing we are to fight for it. If I had a movie coming out next year, I wouldn't want to be anywhere near it. Hats off my friend. Can't get it out of my head."



Edgar Wrights "Scott Pilgrim" ist für viele Geeks wahrscheinlich einer der am meisten antizipierten Filme des nächsten Jahres. Devin Faraci hat zu dem Phänomen des kollektiven quasi-orgasmischen Entgegenfieberns einer Filmveröffentlichung -inspiriert von Elisabeth Kübler Ross- "THE 5 STAGES OF THE GEEK MOVIE EXPERIENCE" zusammengestellt. Lustig und wahrscheinlich auch wahr.


# James Gunn (der Bruder von Sean Gunn (=Kirk bei den Gilmore Girls) und Regisseur von Slither und PG Porn sowie der Autor von The Specials sucht einen Regieassistenzpraktikanten, der sich drei Monate für ihn aufopfert. Mehr dazu hier! Tja. Das wär was gewesen.

Und es kommt noch geiler. (Und leider unmöglicher (teurer):)

# In dem sehr lesenswerten Interviewbuch "Herzog on Herzog" erzählt Werner Herzog folgendes über seine Vorstellung einer Filmschule:

"At my utopian film academy I would have students do athletic things with real physical contact, like boxing, something that would teach them to be unafraid. I would have a loft with a lot of space where in one corner there would be a boxing ring. Students would train every evening from eight to ten with a boxing instructor: sparring, somersaulting (backwards and forwards), juggling, magic card tricks. Whether or not you would be filmmaker by the end I do not know, but at least you would come out as an athlete."
Keine Ahnung ob bei der Rogue Film School geboxt werden wird aber die Beschreibung des ersten real stattfindenden Filmseminars von und mit Herzog klingt nach 100% schöner und wahnsinniger herzogscher ekstatischer Wahrheit: http://www.roguefilmschool.com/


#Virales Marketing hat die deutsche Unterhaltungsindustrie erreicht. Glückwunsch. Oder ist das nicht doch dieses Kaff, wo ich letztens durchgefahren bin?. [Tipp: Versendet eine E-Postkarte, erfindet eine glaubwürdige Geschichte bezüglich eures Aufenthalts in Finsdorf und schaut ob jemand eurer Freunde drauf reinfällt. ]

#Movieline-Schreiberling Seth Abramovitch hat ein ziemlich interessantes Interview mit Quentin Tarantino-Kollaborateur, Ex-Bauingenieur und Balletttänzer, sowie Inglorious Basterds-Produzent Lawrence Bender geführt. [Movieline]

# Shiny! http://www.cesmes.fi/
[Via Motion/Captured]


# Sex & The City Fans aufgemerkt! Neue Standardantwort jedem gegenüber, der euch eure Lieblingsserie vergällen will: "Ingmar Bergman war ein Fan." [Beweisstück: http://www.wmagazine.com/artdesign/2009/11/ingmar_bergman]

# Falls ihr Collegehumor noch nicht kennt, dann sollte dieser tolle Sketch, in dem es um die bezaubernde Lampe des Animationsstudios Pixar geht, das schleunigst ändern.
[Via Movieline]

# Der New Yorker Keyboarder und Solo-Künstler Thomas Bartlett hat mit seinem Projekt Doveman das komplette Footloose Album gecovert. Die Musik die dabei rausgekommen ist, ist wunderschön und kann unter folgendem Link verköstigt werden:
http://www.imeem.com/dovemanfootloose/playlist/ctcPL5lt/doveman-footloose-music-playlist/

# The A.V. Club
Ursprünglich war der A.V. Club nur ein Nebenprodukt von The Onion, dem (Nachrichten-) Satiremagazin, dessen Internetangebot zu den lustigsten Dingen gehört, die man täglich lesen kann. Inzwischen ist der Club zu einer mit gewieften Autoren und originellen Inhalten ausstaffierten bekannte Onlineplattform für die Besprechung von Produkten aus Unterhaltungsindustrie und Popkultur geworden. Ein sehr beliebtes und renommiertes feature ist beispielsweise das inventory, eine interessante Variation der grundsätzlich und v.a. im Internet oft missbrauchten Form der Liste. (Sehr cooles, interessantes und prägendes inventory war die Liste über die Manic Pixie Dreamgirls. Unbedingt lesen!) Lange Rede, kurzer Sinn, die Chicago Tribune hat einen wunderbaren Artikel über die Geschichte und die Menschen hinter dem A.V. Club gebracht:http://www.chicagotribune.com/entertainment/chi-1027-onion-av-cluboct27,0,3947375.column

Und zu guter Letzt:
# Ich habe heute Abend den -im Gegensatz zu dem was der Titel verheißt- unglaublich guten und originellen Dokumentarfilm Generation Model gesehen, der mir, wie sein Hauptdarsteller, total den Kopf verdreht hat. Das war so ein Dokufilmerlebnis, wie ich es liebe und schätze. Ich hatte überhaupt keinen Nerv mich irgendeiner Tätigkeit zu widmen und war noch nicht mal in der Stimmung mir einen Film ganz im Fernsehen anzugucken. Dann stieß ich zufällig auf Generation Model und konnte weder weggucken noch wegschalten. Vielleicht in den nächsten Tagen mehr dazu. Toller Film. Falls ihr die Möglichkeit habt: Unbedingt anschauen!!